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Pädagogisches Konzept

Pädagogische Grundsätze der Abteilung Sehen (Blinde) und Geistige Entwicklung des Landesbildungszentrums für Blinde in Hannover

Als engagierte Pädagoginnen und Pädagogen wollen wir unseren Schülerinnen und Schülern gegenüber klar, verlässlich, wertschätzend, ehrlich, humorvoll, gelassen, fair, geduldig und authentisch sein. Wir bemühen uns, nicht nachtragend, aggressiv, ungerecht oder launisch zu handeln. Unsere Schülerinnen und Schüler werden von uns ernst genommen, respektiert, in ihrem „So-sein“ akzeptiert, emotional angenommen und niemals bloßgestellt. Offenheit für Individualität, das Einfühlen in die Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler, ein würdevoller, vorurteilsfreier Umgang mit ihnen, das Achten ihrer Intimsphäre, das Entgegenbringen von Achtsamkeit und Respekt sind wichtige Prinzipien unserer Arbeit.

Für uns impliziert eine gute pädagogische Arbeit die Bereitschaft, Fehler einzugestehen, die Fähigkeit, eigene Grenzen zu erkennen sowie die Bereitschaft zu Reflexion und Selbstkritik.

Methodisch-didaktische Unterrichtsprinzipien

Die Rahmenrichtlinien für die Förderschule Geistige Entwicklung sind Grundlage unseres Unterrichts. Darüber hinaus stellt die Förderung im Bereich Sehen (Low Vision Förderung, Vermittlung von Blindentechniken u.a.) den zentralen Aspekt unserer pädagogischen Arbeit dar.

Aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen unserer Schülerinnen und Schüler im kognitiven, emotionalen, sozialen, motorischen und gesundheitlichen Bereich sind individuelle Differenzierung und bedürfnisorientiertes Arbeiten für eine angemessene Förderung zwingend notwendig. Es wird besonderes Augenmerk auf das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler gelegt.

Durch einen ganzheitlichen Ansatz versuchen wir, die Gesamtpersönlichkeit unserer Schülerinnen und Schüler zu fördern, indem wir sie in ihren Talenten unterstützen und uns nicht ausschließlich auf ihre Unterstützungsbedarfe konzentrieren. Unser Ziel ist es, die Eigeninitiative der Schülerinnen und Schüler zu fördern und ihnen somit eine größtmögliche Selbstständigkeit zu ermöglichen. Im Unterricht ist es wesentlich, Motive, Absichten und Befindlichkeiten der Schülerinnen und Schüler zu erkennen und aufzugreifen, die Unterrichtsinhalte und -ziele ggf. darauf abzustimmen und zu modifizieren. D.h. Unterrichtsprozesse werden methodisch so aktivierend gestaltet, dass allen Schülerinnen und Schülern eine handelnde, selbsttätige Auseinandersetzung mit den Lerngegenständen ermöglicht wird und so selbstgesteuerte Lernprozesse initiiert werden.

Ziele unserer Arbeit

Jede Schülerin und jeder Schüler soll Angebote erhalten, die eine Weiterentwicklung im Rahmen der jeweiligen persönlichen Voraussetzungen ermöglichen. Am Ende eines Schultages sollten sowohl die Schülerinnen und Schüler, als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, „erfüllt“ nach Hause gehen. Positive Erfahrungen und Erfolgserlebnisse, das Erreichen auch kleinster Ziele, die Umsetzung individueller Förderangebote, die über die Grundversorgung hinausgehen, sind Aspekte dieser Zufriedenheit.

Darüber hinaus stellen Klassenfahrten, Projekte, Besuche außerschulischer Lernorte, Unterrichtsgänge, klassenübergreifende Aktionen, Spiel- und Sportfeste wichtige, gemeinschaftsfördernde Bestandteile des Unterrichts dar.

Am Ende der Schulzeit werden Schülerinnen und Schüler sowie Eltern auf einen Wechsel in eine nachschulische Einrichtung gut vorbereitet.

Übergeordnetes Ziel unserer Arbeit ist es, den Schülerinnen und Schülern eine schöne, fröhliche Schulzeit im Sinne der obengenannten Punkte zu ermöglichen.


Rahmenbedingungen

Die Förderschule Sehen (Blinde) und Geistige Entwicklung am Landesbildungszentrum für Blinde wird als Schule mit ganztägigem Unterricht geführt und umfasst 12 Schuljahre

in der Grundstufe mit den Schuljahrgängen 1-4,

in der Mittelstufe mit den Schuljahrgängen 5-9,

in der Hauptstufe mit den Schuljahrgängen 10-12.

Alle Bereiche bilden eine pädagogische und organisatorische Einheit.

Die Klassen sind in der Regel altershomogen mit 5-7 Schülerinnen und Schülern zusammengesetzt. Der Unterricht wird auf die jeweiligen Bedürfnisse des einzelnen Schülers und der einzelnen Schülerin abgestimmt und im pädagogischen Gesamtangebot für die Klasse verwirklicht. Für besondere Lerninhalte können zur Differenzierung klasseninterne und klassenübergreifende Lerngruppen gebildet werden.

Der Unterricht wird in Form von speziellen Erlebnis- und Handlungseinheiten von unterschiedlicher Dauer, Vorhaben, Fächern, Projekten, Kursen, Lehrgängen und Arbeitsgemeinschaften erteilt. Auf Grundlage der curricularen Vorgaben, unter Berücksichtigung der Lernausgangslage und Entwicklungsbedingungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler, werden regelmäßig individuelle Förderpläne und Entwicklungsberichte als Grundlage der Förderarbeit erstellt. Die Vorbereitung und Einnahme der Mahlzeiten gehören zu den unterrichtlichen Aufgaben. In gleicher Weise werden notwendige medizinisch-pflegerische Maßnahmen (Stichwort Förderpflege) eingebunden.

In den Klassenteams arbeiten Förderschullehrerinnen und Förderschullehrer, Pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im „Team-Teaching“ gemeinsam und werden von Freiwilligen im Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) unterstützt.

Die Bewertung der Lernfortschritte erfolgt durch ein Zeugnis am Schuljahresende, bei Schulwechsel und bei Entlassungen. Die Zeugnisse enthalten Berichte über die Fortschritte in den einzelnen Lernbereichen und Fächern. Grundlage dafür sind die individuellen Förderpläne und Klassenpläne. Die Schülerinnen und Schüler rücken unabhängig vom Leistungsstand in den nächsten Schuljahrgang auf.

Beim Verlassen der Schule erhält die Schülerin oder der Schüler ein Abgangszeugnis, das in freier Form den allgemeinen Leistungsstand in allen Lernbereichen und Fächern beschreibt. Es ist zu vermerken, ob die Schülerin oder der Schüler die Schulpflicht erfüllt hat. Alle Zeugnisse sind in Berichtsform verfasst.

Therapeutische Angebote

Notwendige therapeutische Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Musiktherapie, Kunsttherapie sowie Training lebenspraktischer Fertigkeiten (LPF) und Orientierungs- und Mobilitätstraining werden während des Schultages sowohl durch fest angestellte Therapeuten/Therapeutinnen als auch durch externe Fachkräfte durchgeführt. Ein interdisziplinärer Austausch über den Entwicklungsstand und die Bedarfe des Schülers/der Schülerin findet regelmäßig mit allen Beteiligten statt.


Zusammenarbeit

Neben der o.g. interdisziplinären Zusammenarbeit wird der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Pädagoginnen und Pädagogen ein großer Stellenwert eingeräumt, da dies eine wichtige Voraussetzung für ein koordiniertes Miteinander bei der Förderung der Schülerinnen und Schüler darstellt. Neben Elternabenden/Elternnachmittagen findet zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres ein Elternsprechtag statt, bei dem der aktuelle Entwicklungs- und Förderplan des Schülers/der Schülerin mit den Eltern besprochen wird. Nach Absprache werden Hausbesuche durchgeführt, bei denen die Möglichkeit eines intensiveren Austauschs zwischen Eltern und Pädagogen über das Verhalten und die Entwicklung des Kindes besteht.

Die Pädagoginnen und Pädagogen der Klassenteams tauschen sich zudem über Mitteilungshefte, telefonisch bzw. mit Hilfe von Sprachausgabegeräten (Talkern) über das aktuelle Tagesgeschehen mit den Eltern aus.

Darüber hinaus findet eine Unterstützung und Beratung der Eltern durch die Pädagoginnen und Pädagogen u.a. hinsichtlich

- der Anregung und Empfehlung therapeutischer Angebote

- der Wahrnehmung Familien unterstützender Dienste

- der Suche nach einer geeigneten nachschulischen Einrichtung

statt.

Fortbildungen

Regelmäßig finden für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einrichtungsinterne Fortbildungen zu aktuellen Themen der pädagogischen Arbeit statt.

Darüber hinaus werden extern angebotene Fortbildungen finanziell unterstützt und die Lerninhalte im Anschluss an das Kollegium transferiert.

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